Weshalb ich nicht jeden Tag schreibe

Jeden Tag zu schreiben ist ein Traum, den ich mir eines Tages erfüllen werde. Doch warum ich es aktuell nicht tue und an manchen Tagen dagegen kämpfe mich zu verurteilen, besprechen wir in diesem kurzen Eintrag.

Jeden Tag zu schreiben ist ein Traum, den ich mir eines Tages erfüllen werde. Doch warum ich es aktuell nicht tue und an manchen Tagen dagegen kämpfe mich zu verurteilen, besprechen wir in diesem kurzen Eintrag.

Schreiben ist nicht schreiben

Eine Zeit lang habe ich mich diszipliniert an meinen Schreibtisch gesetzt und versucht meine 500 Wörter zu schreiben. Das hatte ich mal in einem Blog-Artikel aufgeschnappt und es klang plausibel, dem nachzugehen.

Es waren nie auch nur annähernd 500 Wörter.

Meistens waren es 160 oder 2.400. Habe ich versagt? Nein. Gewiss nicht.

Doch in einer Hinsicht, habe ich schon versagt oder besser ausgedruckt, etwas verloren – und zwar die Lust am Schreiben.

Disziplin ist etwas tolles. Beim Sparen, beim Sport oder sich seinen Kommentar zu verkneifen wenn jemand auf der Arbeit etwas schrecklich Dummes sagt.

Doch bei der Kunst, so ist meine Erfahrung zumindest bisher, vergiftet Disziplin die Leidenschaft.

Linie 55 – Freunde kann man sich nicht aussuchen (Concept Art)

Disziplin oder Gewohnheit?

Möglicherweise muss man auch in der Disziplin unterscheiden.

Wenn ich mit militärischer Disziplin meiner Sport und meiner Ernährung nachgehe, dann werde ich meine Ziele mit ziemlicher Sicherheit erreichen. Diszipliniere ich mich in Konsum und emotionalem Verhalten, dann kann ich eine hohe Sparquote aufrecht erhalten und kann dafür größere Reisen und Investitionen tätigen.

Doch setze ich mich auf Biegen und Brechen vor die Tastatur und zwinge die Welt, die in mir schlummert dazu, sich schneller zu drehen, dann gerät sie aus den Fugen.

Entspannt bleiben – Weshalb ich nicht jeden Tag schreibe

Wie in der Liebe halte ich es nun auch mit dem Schreiben – kein Druck.

Es gibt keine Deadline. Nicht als Partner, und auch nicht als freier Autor. Natürlich ist es mein Traum, vom Schreiben zu leben, doch möchte ich mich von dieser Illusion, die nur sehr wenigen vergönnt ist darin zu Leben, nicht fehlleiten lassen.

Das Geld vom Schreiben zu trennen, ist ein Status, den eine JK Rowling oder ein Stephen King hat, da diese Menschen das Thema Geld verdienen hinter sich gelassen haben. Oder denen, die sich gar nicht erst in dieses wackelige Boot setzen und ihr Geld an der Börse vermehren, während sie die Sicherheit & Freiheit eines Berufs im Angestellten Verhältnis nutzen, um das volatile Leben eines Künstlers ausgleichen.

Hamsterrad oder Wäschetrockner – was wählst du?

Sagte er da gerade “Freiheit” & “Angestelltenverhältnis” in einem Satz?

Ohja! Seit es Social Media gibt werden wir dazu erzogen zu glauben, das sogenannte Hamsterrad sei die Hölle auf Erden – und für viele ist es das auch. Doch wir haben Feierabend. Wir haben Urlaub. Wir sind versichert und unser Leben um die Arbeit herum gehört uns und nicht unseren Kunden.

Ich kenne viele Selbstständige, die in Arbeit ersticken und dabei gar nicht so viel mehr Geld auszahlen als ich.

Natürlich ist mir überaus bewusst, was für eine Last eine Arbeit sein kann, die man ausschließlich für Nahrung & Miete verrichtet. Doch gibt es auch genug Menschen, die ihren Job gerne ausüben – und diese Perspektive sollte das Ziel sein. Gerade in der heutigen Zeit gibt es so viele Arbeitsmodelle, da bin ich überzeugt, dass da für die meisten das richtige dabei ist.

Weshalb ich nicht jeden Tag schreibe

Warum also schreibe ich nicht jeden Tag?

Das Schreiben ist für mich eine der wenigen Freuden auf der Welt. Warum also sollte ich mir das durch eine weitere Verpflichtung im Leben kaputt machen? Statt eiserner, krampfhafter Disziplin, möchte ich lieber eine Gewohnheit daraus machen. Dann schreibe ich halt eine Woche mal nicht, weil das Leben eben passiert – na und? Dennoch notiere ich mir trotzdem mal eine tolle neue Idee, lese mal über meine Entwürfe rüber oder gehe durch die Tür und habe ein komplett neues Konzept im Kopf.

Ich definiere mich als Autor nicht durch den Akt des Schreibens selbst. Das Schreiben ist ein Werkzeug, mit dem man seine innere Welt eben nach außen bringt.

Aber wäre es jetzt nicht trotzdem besser, wenn man statt zur Arbeit seinen großen Traum mit Eifer verfolgt?

Genau hier liegt das Paradoxon, das mich befreit: Weil ich mich dem „Hamsterrad“ eines Angestelltenverhältnisses hingebe, muss mein Schreiben kein Geld verdienen. Es muss keine Miete zahlen und keinen Kühlschrank füllen.

Ich hatte diese Phase, in der ich Zeit ohne Ende hatte. Soll ich euch was verraten? Ich habe nicht 5 Bücher die Woche geschrieben.

Diese finanzielle Unabhängigkeit von meiner Kunst gibt mir den ultimativen Luxus: Ich darf schweigen. Ich muss mich nicht jeden Tag an die Tasten quälen, um Content zu produzieren oder Algorithmen zu füttern. Ich schreibe nicht, weil es 8:00 Uhr morgens ist, sondern weil der Gedanke reif ist.

Vielleicht schreibe ich also nicht jeden Tag. Aber wenn ich schreibe, dann nicht aus Zwang, sondern aus purer, unverfälschter Lust.

Und ist das nicht der eigentliche Traum?