Gier frisst Hirn ( Und Geld) – Warum die Gierigen verlieren und die Geduldigen reich werden 

Inhalt

  • Die Welt des schnellen Geldes
  • Die Psychologie von Gier und warum sie dein schlimmster Feind ist
  • Die vergessene Strategie: Ruhe & Konsistenz schlägt Hype
  • Wie wir mit Geduld langfristig wohlhabend werden: Der leise Weg zum Wohlstand

Die Welt des schnellen Geldes

Wer leidenschaftlich die Welt rund um Finanzen & Börse verfolgt, der wird besonders in der heutigen Zeit im Stundentakt von Artikeln, Videos & Podcasts rund um den „Nächsten Tenbagger!“ Oder dem nächsten „Krypto-Coin, der deine gesamte Blutlinie reich machen wird!“ beschallt. Umgeben von diesem Lärm kann es schwierig sein, die eigene, ursprüngliche Handels-Strategie beizubehalten – ich selbst nehme mich da nicht nur aus, sondern hätte mich noch vor wenigen Monaten mit an vorderste Stelle eingereiht. Schämen sollten wir uns dafür nicht. Es ist vollkommen nachvollziehbar, dass wir stets auf der Suche nach dem Ticket in die finanzielle Freiheit sind und umgeben von Menschen die tagtäglich vermeintlich tausende von Dollars traden, wecken diese Neuigkeiten in uns das Bedürfnis, das unbedingt auch zu schaffen. Und in voller Euphorie abonnieren wir sämtliche Experten, nutzen Affiliate-Links für Free-Trades und geringe Gebühren und fahren vor unserem inneren Auge schon unseren Traumwagen auf die Hofeinfahrt unseres italienischen Anwesens. 

Doch was passiert den meisten von uns? Wir verlieren Geld. Selbst wenn wir mal unser Glück hatten und richtig spekuliert haben, so spekulieren wir uns beim nächsten heißen Tipp direkt wieder ins Aus. 

Aber warum?

Die Psychologie der Gier und warum sie dein schlimmster Feind ist

Versteht mich nicht falsch – es gibt sicherlich Menschen, die tatsächlich klüger zu sein scheinen, als der Markt und das Trading beherrschen wie ein Quarterback seine Pässe in der NFL wirft. Doch mal ehrlich – wie viele von uns spielen am Wochenende dann doch eher in der lokalen Hobby-Liga und werden eben nicht von Millionen Fans in den größten Arenen dieser Welt angefeuert? Diese Frage maße ich mir nicht an zu beantworten, doch die Antwort darauf macht keinen Unterschied, denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir der Durchschnitt sind, ist eben ziemlich hoch. 

Damit möchte ich nicht sagen, dass man es nicht versuchen sollte. Schau dir Trading-Tutorials an, nimm dir am besten auch mal ein gutes Buch dazu, nimm dir ein bisschen Geld von deinem Depot und teste dein Können. So hab ich es auch gemacht und direkt 144% bei einem 3er Hebel gemacht. Wahnsinn, oder? Nun ja. Das Geld war auch fast genauso schnell wieder weg, sodass ich mich immerhin trotzdem mit bestimmt 10-15% nach vorne bewegt hab. Gut für mich. Doch hat sich das wirklich gelohnt? Ich hatte noch gar nicht erwähnt, dass ich jeden Tag Stunden vor Charts und Neuigkeiten verbracht habe. Ich konnte mich schwer auf meine Arbeit konzentrieren und auch bei meinem wohlverdienten Feierabend mit meiner wundervollen Partnerin hing ich dann auch nochmal heimlich vor den Charts – denn ich könnte ja was verpassen. 

Sogenannte FOMO-Käufe sind für viele Menschen ein großes Problem und finden meist im Höhepunkt eines Hypes statt. Dann nämlich, wenn die klugen Menschen ihr Geld schon verdient haben. Statt also einer Strategie zu folgen, geben wir uns in der Realität einer blinden Hoffnung hin, die uns auf lange Sicht ärmer macht. 

Wir gehen also hohe Risiken ein, haben dabei oft nicht einmal ein stabiles Risikomanagement und gleichen dabei eher dem betrunkenen, euphorischen Typen auf dem Festival, der sich in die raufende Meute stürmt, statt der rationale Stratege zu sein, der cool und gelassen am Seitenrand sein Geld zählt. 

Aber es ist noch nicht zu spät das Bier beiseite zu stellen und mit klarem Kopf die Show zu genießen.

Die vergessene Strategie: Ruhe & Konsistenz schlägt den Hype

Im Laufe meiner Karriere als Kleinanleger ist auch meine Partnerin auf den Geschmack des Investierens gekommen und da ich an dieser Stelle mit dem Hasen und dem Igel starten wollte, erspare ich uns das und erzähle lieber aus meinem Leben.

Meine Partnerin ist im Gegensatz zu mir von Grund auf schon einmal der vernünftige Part. Sie wusste schon immer den Wert von Geld zu schätzen und war sich auch keines verachteten Blickes müde, wenn ich mal wieder mit der nächsten tollen Anschaffung glänzte und genauso schnell wieder das Interesse daran verlor. Dennoch scheint meine recht trottelige Art irgendetwas in ihr bewegt zu haben, mich auch mal zu fragen, wie das so mit dem Investieren läuft. Als guter Partner richtete ich ihr natürlich begeistert eine Krypto-Wallet ein und gab ihr ein paar Quellen an die Hand, mit denen sie sich eigenes Wissen aufbauen konnte. Schon dort rümpfte sie ihre Stirn bei so manchen gehypten Clickbait-Experten und vertraute eher auf rationale, gelassene Experten. Sie informierte sich also, kaufte ein paar Coins und ließ sie einfach liegen.

Genauso war es dann später mit den Aktien auch: Depot eingerichtet. ETF rausgesucht. Sparplan aufgesetzt. Fertig

Während ich mich ständig durch meinen X-Feed wälzte wie mein Hund sabbernd seiner Frisbee hinterherläuft, schaute sich meine Partnerin ihre Lieblings-Serien an oder ging ihren Hobbies nach.

Ich kann an dieser Stelle keine Zahlen nennen, doch kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sie mit ihrer verdammt langweiligen Art über die Jahre mehr Rendite gemacht hat als ich. 

Doch warum? Ich hatte teilweise echt wahnsinnig gute Trades. Okay, ein paar Nieten waren auch dabei und…Kennt ihr eigentlich die Geschichte von dem Hasen und dem Igel? 

Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass auch ich nicht klüger bin, als der Markt. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass das so ist. 

Also habe ich mich ab irgendeinem Punkt einfach mal auf ‘den Stein gesetzt’ und meine bisherigen Erfahrungen analysiert. 

Was war mir überhaupt wichtig? Warum musste es unbedingt ‘jetzt’ der schnelle Reichtum sein? Wenn ich ein teueres Auto fahren will, kann ich mir auch einfach einen Nebenjob suchen und eins leasen. 

Eigentlich war es mir also egal, ob ich jetzt zwei Nullen mehr auf meinem Depot hatte oder nicht. Ich mag mein Leben. Ich reise oft genug um nicht vollständig im grauen Deutschland abzudrehen. Ich habe meine Hobbies und auch mein Job ist erträglicher als viele, die ich davor gemacht habe. 

Da wurde ich irgendwie entspannter. Also wie wäre es, wenn der Weg das Ziel ist und ich mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur früher, sondern auch wesentlich entspannter in die finanzielle Unabhängigkeit gleiten konnte? 

Ich änderte also meine Taktik davon „Der nächste große Trader werden“ zu einem konservativeren, disziplinierteren Ansatz. Ich suche mir ausgewählte Assets aus, konzentriere mich darauf mehr Einkommen aufzubauen und investiere das Geld, das ich mehr habe, dann einfach in diese Assets. 

Klare Regeln. Weniger Stress. 

Wie wir mit Geduld langfristig wohlhabend werden: Der leise Weg zum Wohlstand

„Overnight-Success takes about 10 years“ oder so ähnlich war eine Phrase, die sich eine Zeit lang wie die neuste Saft-Diät durch die Podcasts verbreitet hat. Und auch, wenn sich diese Persönlichkeitsentwicklungs-Bubble zu einer großen Echo-Kammer entwickelt hat, so ist zumindest an diesem Beispiel etwas dran. 

Ob wir eine neue Fähigkeit lernen, eine neue Karriere anstreben oder unser verdammtes Geld in ein Depot hauen, statt es für den 6. neuen Fernseher auszugeben – Erfolg braucht Zeit – und Strategie. Es ist leider einfach keine Strategie, irgendeinem vermeintlich oder wirklich reichem Influencer hinterherzulaufen wie ein Entenbaby seiner Mutter. Hört auch diese Leute an, hört euch auch andere Perspektiven an und besorgt euch am besten noch ein recht neutrales Buch über das Thema Geld, um euch die Basics anzueignen. Dann setzt euch auf euren eigenen, ganz persönlichen Denk-Stein und entscheidet euch für eine Strategie. 

Ich selbst habe mich jetzt einfach dafür entschieden 50% meiner Sparrate in einen ETF zu stecken. 25% fließen in Bitcoin und weitere 25% landen in meiner Cash-Reserve um ein wenig Pfeile im Köcher zu haben, wenn sich mal Chancen für Einzelaktien bieten. 

Sollt ihr das jetzt auch machen? Nein. Hört nicht auf mich. Ich bin selbst erst ein paar Jahre dabei und teile hier einfach nur meine Erfahrungen, weil ich Spaß am Schreiben  und dem Thema Geld & Börse habe.

An dieser Stelle und der Form halber: Dieser Artikel ist keine Finanzberatung. Er dient nur informativen und unterhaltenden Zwecken. Investieren und Trading bergen Risiken, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Jede finanzielle Entscheidung sollte mit einem Experten besprochen werden.

Cool. Dann konnte ich das auch mal machen.

Weiter im Text.

Wir haben nun also mitgenommen, dass es keine Strategie ist, irgendwelchen Hypes und vermeintlichen Overnight-Millionären hinterherzulaufen. Die Welt hat schon immer nach dem schnellen Geld geschrien, aber die meisten, wirklich reichen Menschen sind dort wo sie sind, weil sie mit Ruhe und Strategie einen langen, harten Weg gegangen sind. Sie haben verzichtet, sich in Disziplin geübt und haben mit dieser auf dem Weg gewonnenen Erfahrung mit der Zeit eine ganz eigene Strategie entwickelt, mit der sie erfolgreich geworden sind. Für manche mag das Trading sein. Für andere das Unternehmertum. Und andere haben sehr frugal gelebt und finden die finanzielle Freiheit in einem bescheidenen Leben mit viel Zeit und erfreuen sich mit Erfahrungen und Hobbies statt wildem Konsum.

Aber die Frage, welchen dieser Wege wir davon einschlagen wollen und können, die müssen wir uns selbst beantworten. 

Und  auch, wenn ich jetzt all diese weisen Zeilen niedergescheieben habe, erwische ich mich trotzdem noch bei dem ein oder anderen Ausrutscher. Doch wer eine klare Strategie verfolgt, der kann es sich auch leisten mal ein bisschen Rock’n’Roll zu spielen. Doch dann sollten wir uns es nicht schön reden. Gambling ist meiner Meinung nach in einem gewissen Rahmen völlig legitim und wer sich das leisten kann ohne sich im eigenen persönlichen Sumpf zu verlieren, der kann auch Meme-Coins traden der auf Pennystocks spekulieren. Vielleicht fliegt man dann aber doch lieber nach Las Vegas und lässt es zumindest so richtig mit Stil krachen. Hey, ich habe letztens während ich auf dem Laufband war 500$ mit dem Trump-Coin gemacht. War das ein richtiger Trade? Nein. Es war einfach ein Gamble.

Also zum Schluss noch einmal Kurz & Knapp:

1. Gier macht blind und führt oft zu Verlusten.

2. Geduld, Konsistenz & Strategie schlagen den Hype.

3. Setz dir eine klare Strategie und halte daran fest.

4. Gambling ist okay – aber nenn es beim Namen.

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